IF Open - InterFace AG

Roland CEOEnde des Jahres 2014 werde ich die InterFace AG in meiner Rolle als aktiver Vorstand verlassen. An der InterFace AG ist meine Familie mehrheitlich beteiligt. Das soll so bleiben, um Kontinuität und Stabilität zu gewährleisten.

Auch aus diesem Grunde möchte ich für eine Übergangszeit die InterFace AG als Mitglied des Aufsichtsrates begleiten. Hier meine aktuelle Analyse.

Die InterFace AG ist ein Unternehmen, das sich zurzeit in Transformation befindet. Die Ursachen sind unterschiedliche:

  • Das Unternehmen wächst zurzeit sehr stark.

    Zwei Millionen € an Umsatz-Wachstum im Jahr heißt natürlich auch mehr Mitarbeiter, Kunden und Partner. Wie es ausschaut, werden wir auch in 2014 weiter wachsen. Das bedeutet mehr Verträge, mehr Kundenbetreuung, mehr Umsatzverantwortung, mehr Administration und Organisation. Wachstum kostet allgemein Kraft und Geld und bedeutet immer Veränderung.

  • Das Unternehmen regionalisiert sich.

    Unsere Regionen Darmstadt, Nürnberg, Stuttgart und Rhein.Ruhr sind recht erfolgreich. Hier entstehen eigene Kulturen mit auch unterschiedlichen kollektiven Konstrukten. In weiteren Regionen fassen wir Fuß. Die Regionalisierung hat auch Auswirkungen auf die Aufbau- und Ablauforganisationen (Strukturen und Prozesse).

  • Der Markt verändert sich.

    Modellhaft erbringen wir unsere Dienstleistung schon seit Jahren für
    Behörden, (Groß-)Unternehmen und IT-Lieferanten
    Diese drei Märkte verändern sich wesentlich.
    Die Verpflichtung zur Ausschreibung bei den Behörden wird für alle Beteiligten immer rigider und ist in der Gesamtheit sicher nicht mittelstandsfreundlich.
    Große Konzerne ändern ihr Verhalten gegenüber Lieferanten. Oft geht das Senken von Kosten zu Lasten der gelieferten Qualität. IT-Budgets sinken, die Fachabteilungen gewinnen an Relevanz. „Kaufmännsiche Administration“ und „Legal Service“werden wie wohl auch in der Gesellschaft immer dominanter.
    Die klassischen IT-Hersteller sind unsere traditionellen Partner. Neue Player wie Google oder Amazon übernehmen immer mehr die Hoheit auf den IT-Märkten. Ich bin gespannt, welche Hersteller in Zukunft die IT-Technologie und Dienstleistung erbringen werden.

    Es scheint klar, dass wir immer neue Kunden finden müssen. Mittelstand und die „IT-Lieferanten der Zukunft“ könnten für die InterFace interessant sein.

  • Immer mehr Leistungen der IT werden „commodity“.

    Mit Dienstleistungen, die „commodity“ werden, ist es schwierig bis unmöglich Geld zu verdienen. Wahrscheinlich werden wir in drei Jahren wesentliche Teile des Umsatzes mit für uns ganz neuen Leistungen und Produkten erwirtschaften. Das heißt, vieles muss mutig ausprobiert und dann klug entwickelt werden.

  • Die Art des Geschäftes und die Spielregeln verändern sich.

    Die Zeiten von „Body / Expert leasing“ scheinen auch aufgrund von gesellschaftlicher und rechtlicher Veränderung langsam zu Ende zu gehen. Alternativen können Service-Modelle, Gewerke oder eine „echte“ Beratungsleistung sein.

  • Der Gründer verlässt das Unternehmen.
    :-) Und in dieser Situation verlässt auch noch der Gründer das Unternehmen ….

Nun ist Zukunft immer unvorsehbar. Aber es ist leicht zu erkennen, dass sich die InterFace AG (wie vielleicht auch unsere Gesellschaft und viele Unternehmen in einer Phase starker Transformation befindet. Meine nächste Aufgabe soll so sein, diese Transformation zu begleiten.

Die Beobachtung anderer Firmen zeigt nämlich, dass ein personaler Wechsel dieser Art nicht ganz unproblematisch sein kann. Es gibt eine Reihe mir gut bekannter Unternehmen, die in solch einer Situation am Versuch einer positiven Transition gescheitert sind oder dabei zumindest wesentlichen Schaden genommen haben. Ich kenne aber auch ein paar Firmen, die eine ähnliche Situation erfolgreich gemeistert haben.

Im Leben muss man lernfähig sein. So meine ich, dass man von diesen anderen Unternehmen viel lernen kann und fremde Erfahrungen hilfreich sind. Die wichtigste Erkenntnis, die ich aus der Beobachtung solcher Prozesse gewonnen habe, ist trivial:

Alles hängt immer von den Menschen ab.

Unternehmen sind soziale Systeme, die sich nicht verselbstständigen dürfen, sondern die Bedürfnisse ihrer Menschen verstehen und berücksichtigen müssen. Sie müssen Menschen in ihrer Entwicklung stützen und sie größer aber nicht kleiner machen.

Menschen sind anfällig für Ängste und entwickeln leicht Sorgen, berechtigte wie unnötige. So können sich schnell schädliche Konstrukte verselbstständigen und Missverständnisse diversen Frust verursachen. Dann wird auch das Positive schnell vergessen. Gemeinsamkeiten und für alle wichtige Ziele können schnell zur Nebensache werden.

Ich möchte in meiner zukünftigen Rolle den unnötigen Ängsten und Kopfgeburten entgegen wirken. Und aus meiner Rolle als Aufsichtsrat heraus versuchen, alle Kollegen des Unternehmens, der „erweiterten Geschäftsführung“ und des Vorstandes zu integrieren. Dies auch als Brückendienst zwischen Mitarbeitern, Unternehmen und Aufsichtsrat.

Wir müssen bei InterFace unser gemeinsames Verständnis und Gefühl weiter entwickeln: Was wollen wir und wo wollen wir gemeinsam hin! Ein lebendiger und gelebter Konsens ist die „halbe Miete“ für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Denn unser Hauptziel ist und muss bleiben, auch in schwierigen Zeiten auf einem gutem Niveau zu überleben und uns dabei selber treu zu bleiben.

An dieser Stelle ein großes „Danke Schön“ an alle meine Mitstreiter und Wegbegleiter!

Wolf Geldmacher ist einer der vier Gründer der InterFace AG. Wir beide waren die aktiven Gesellschafter, die gemeinsam mit  Dr. Peter Schnupp und Claus M. Müller (InterFace Computer GmbH) als „stille“ Partner in 1984 die „InterFace Connection Gesellschaft für Kommunikationsgesellschaft mbH“ gegründet haben. Dieses Unternehmen ist der Vorgänger der heutigen InterFace AG.

Obwohl Wolf aufgrund familiärer Verpflichtungen nur wenige Jahre bei uns als Geschäftsführer mitwirken konnte, hat er nicht nur die technologischen Gene der heutigen InterFace AG angelegt. Diese sind heute noch lebendig und zeichnen uns immer noch aus.

Nach seinem Wechsel in die Schweiz war Wolf immer als wichtiger Gesellschafter und später Aufsichtsrat nahe an unserem Geschäft dran. Unsere Freundschaft hat über mehr als 30 Jahre gehalten. Wir haben die InterFace betreffend immer am einem Strang gezogen und glauben, dass dies dem Unternehmen gut getan hat.

Das Bild zeigt Wolf Geldmacher bei unserer letzten Aufsichtsratssitzung. Er hält einen Druck in der Hand, der von Joseph Beuys für das „Kommitee 2000“ gestaltet wurde. Der Wolf hat damals (Anfang der 80iger Jahre) einen Kalender mit den Tagen bis Sylvester 2000 programmiert. Der Ausdruck wurde Teil des von Beuys kreierten Kunstwerkes. Einer der limitierten Drucke war noch in unserem Besitz, den haben wir dem Wolf zum Abschied geschenkt.

Zur Jahreswende 2012/2013 übergibt Wolf Geldmacher den Staffelstab im Aufsichtsrat an Frau Prof. Dr. Kathrin M. Möslein. Wolf wird als wichtiger Aktionär unserem Unternehmen treu bleiben. Wolf und ich wollen enge Freunde und auch in Zukunft in engem Kontakt bleiben. Und so daran mitwirken, dass die InterFace sich in Unabhängigkeit kräftig und ihrer Werte bewusst weiter entwickelt.

Lieber Wolf, ich möchte mich bei Dir ganz persönlich und herzlich über die tolle Zusammenarbeit über um die 30 Jahre bedanken!

Unsere neue Aufsichtsrätin Frau Professor Dr. Kathrin M. Möslein begrüßen wir ganz herzlich im AR der InterFace AG.