IF Open - InterFace AG

Am 21. März 2013 ist Jean Pauls
250. Geburts
tag.

Aus diesem Anlass veranstaltet die InterFace AG Vorträge im IF-Forum und veröffentlicht Artikel zu Jean Paul.

Mit unserer ersten Blog-Reihe „Jean Pauls Leben Teil 1-3“ möchten wir Ihnen das Leben von Jean Paul als Schriftsteller, Visionär, Querdenker, Frauenschwarm … vorstellen.

Wir freuen uns über zahlreiche Besucher, sowohl virtuell als auch direkt bei uns in Unterhaching.

Vom Außenseiter zum erfolgreichen Schriftsteller

Bevor er Jean Paul wird, hat  Johann Richter eine unbeschwerte und ereignislose Kindheit in einer armen Pfarrersfamilie. Schon in Kindertagen war er ein Träumer: Kleine Dinge des Lebens, wie der Wechsel der Jahreszeiten oder ein halb verstandenes Buch sind für ihn „Himmelspforten in lange, lange Freudengärten“.

Das unbeschwerte Leben findet im Jahr 1779 ein Ende, als Johann aufs Gymnasium nach Hof geschickt wird, um ich auf ein Studium der Theologie vorzubereiten; bis dahin wird er nur hin und wieder von seinem Vater unterrichtet.

Obwohl seine ungewöhnlichen Kenntnisse sowohl Lehrer als auch Mitschüler zunächst beeindrucken, wird er schnell zum Außenseiter. Auf dem  Gymnasium wird ihm zum ersten Mal bewusst, dass er in seiner Traumwelt alleine ist. In seiner Schulzeit beginnt Johann damit, alle Bücher, die er liest, in Exzerptheften zusammen zufassen und zu kommentieren. Eine Praktik, die er sein Leben lang beibehalten wird.

Ein weiterer Einschnitt im Leben des jungen Johann Richters ist der unerwartete Tod seines Vaters. Die Familie Richter, bestehend aus der Witwe und fünf Kindern, ist damit fast mittellos. Nur mit Hilfe eines Armutszeugnisses kann  Johann an die Universität nach Leipzig kommen.

Von Beginn an ist klar, dass Johann nicht in die Spuren seines Vaters treten wird. Er ist zwar für ein Theologiestudium eingeschrieben, besucht aber Kurse und Vorlesungen aller Fakultäten, ohne sich für eine bestimmte Fachrichtung zu entscheiden. Das Ziel seines Studiums ist von Anfang an die Wissensansammlung für seine Arbeit als Schriftsteller.

Mit dem Leben in der Großstadt kann sich Johann nie anfreunden. Er verachtet die Menschen, die alle nur der Mode hinterherrennen und keinen eigenen Charakter haben. So gibt sich Jean Paul als Gegenbild dieser Menschen und trägt beispielsweise einen ungepflegten Bart und dreckige Kleidung.

Seine Eindrücke verarbeitet er in satirischen Traktaten, die in seiner Studentenzeit seine literarische Haupttätigkeit darstellen. Schon jetzt zeichnet sich sein charakteristischer Schreibstil ab: Das Spiel mit vielen seltsam scheinenden Bildern und die Erfindung vieler Gleichnisse, die er mit Hilfe seiner Exzerpthefte und durch „Übungen im Ideenwürfel“ entwickelt.

Seine Leipziger Zeit wird vor allem aber von seiner Geldnot geprägt. Er kann sich nur über Wasser halten indem er Schulden aufnimmt.  Es gelingt ihm tatsächlich, einen Verleger zu finden, der seine Satiren als die Grönländischen Prozesse veröffentlicht; doch das Buch ist beim Publikum ein großer Misserfolg und Johann muss sich immer weiter in Schulden stürzen.

1784 zieht er schließlich die Reißleine und  er muss in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vor seinen Gläubigern aus Leipzig fliehen. Er kehrt zu seiner Mutter nach Hof zurück.

Zurück in Hof arbeitet er zunächst ein paar Jahre als Hauslehrer für Kinder einiger Wohlhabender Bürger. Nach der Arbeit sucht er sich zumeist einen einsamen Ort in der Natur, um sich der Tagträumerei hinzugeben. Die Ergebnisse dieser Tagträumereien werden abends literarisch verarbeitet. Das Resultat ist Die unsichtbare Loge, sein erster Roman, den er auch unter dem Pseudonym Jean Paul veröffentlichen wird. Die Flucht aus der Hektik und Scheinheiligkeit der Großstadt hat aus Johann Richter, dem frustrierten Satirenschreiber, Jean Paul, den freien Dichter und Romanautor gemacht. In seinem heimischen Fichtelgebirge findet er die Bedingungen vor, die er zum Schreiben braucht.  Neben seiner Tätigkeit hat er eine große Menge weiblicher Bekanntschaften, die er scherzend als seine erotische Akademie bezeichnet.  Er scheint Zeit seines Lebens von Frauen besser verstanden zu werden, was nicht heißen soll dass er keine männlichen Freunde hat.

Die unsichtbare Loge erzählt das Leben Gustav von Falkenbergs, mit dem ein Experiment betrieben wird. Die Zeit zwischen seinem zweiten und zehnten Lebensjahr muss er unter der Erde verbringen. Gesellschaft hat er nur von seinem schwarzen Zwergpudel und seinem Lehrer, einem „himmlisch-schönem Jüngling“, der nur „der Genius“ genannt wird. Als der Knabe schließlich zurückkehren darf, erscheint ihm die Welt als Paradies. Jean Paul zeigt uns damit, wie schön die Welt sein kann wenn wir unsere Augen darauf wenden können. Das Werk begleitet Gustav auf seinem weiteren Lebensweg, auf dem unter anderem Jean Paul selbst als Protagonist auftaucht.

Im Anhang der unsichtbaren Loge lässt sich eine weitere Erzählung finden: Das Leben des vergnügten Schulmeisterlein Wutz. Zwei Jahre vor der Loge entstanden, handelt diese Erzählung von einem Schulmeister, der, wie Jean Paul selbst, vergnügt seine eigene Enzyklopädie schreibt. Die Geschichte vermag es auf satirische Art und Weise hinter die Fassade des spießig-bürgerlichen Provinzlebens zu schauen.

Während Jean Paul zu seiner Studienzeit seine Eindrücke durch kurze satirische Traktate verarbeitet, spannt er in diesen beiden Werken einen größeren Bogen. Er beginnt einen literarischen Kosmos zu kreieren, seine ganzen Romane, so schreibt er später wollte er zu einem großen Roman machen.

Dies erklärt auch, warum er oft seine Romane scheinbar mitten in der Erzählung enden lässt.

 

Mit dem Erscheinen dieser beiden Romane tritt Jean Paul auf der literarischen Bühne auf. Zunächst wird er zwar erst in den gehobenen Kreisen, auf den Höfen, registriert und gefeiert, dies wird sich aber mit dem Erscheinen seines Folgeromans, Hesperus oder 45 Hundposttage, ändern…

 

Weitere Informationen unter www.interface-ag.de/IF-Forum.html

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